Bad Urach. Ob das Warten auf den Bus jetzt lustiger wird? Jedenfalls steht seit gestern am Busbahnhof eine elektronische Anzeigentafel. Im Minutentakt ist darauf die noch verbleibende Wartezeit abzulesen.
Die große Anzeigentafel am Busbahnhof ist ein Hingucker der unterhaltsamen Art: Fast minütlich erscheinen neue Zwischenstandsmeldungen über den Verbleib beispielsweise jenes Busses, auf den man gerade wartet. Die Anzeige, im Fachjargon "Dynamisches Fahrgast-Informationssystem", kurz DFI, genannt, basiert auf einem satellitengesteuerten Navigationssystem via GPS-Technologie und bietet außer einer gewissen Möglichkeit der Zerstreuung vor allem wichtige Informationen.

Der Wind macht dem Programmablauf einen Strich durch die Rechnung,
was zu heiterer Gelassenheit führt. Foto: Thomas Kiehl
Gestern haben Verantwortliche der RAB (Regionalverkehr Alb-Bodensee), die das System betreut, des Landkreises, des Regierungspräsidiums und der Stadt Bad Urach die Neuerung feierlich in Betrieb genommen. Wobei der Wind aus Osten, der zum Teil frisch und böig übers herbstliche Land fegte, die symbolische Enthüllung unfair vorwegnahm. Er blies das rote Abdecktuch schon herunter, während noch ein Redner wacker gegen den Verkehrslärm anhub und andererseits gegen die Tatsache, dass die geladenen Gäste weniger seinen Worten lauschten als vielmehr staunend beobachteten, wie zwei RAB-Mitarbeiter das Tuch wieder über die Tafel ziehen wollten. Wobei es lange beim Versuch blieb. Dergestalt war die Premiere des Anzeigensystems nicht nur unterhaltsam, sondern bot eine Situationskomik von loriotscher Tragweite. Das Geld für die Tafel sei ein weiterer Beitrag zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs und durchaus gut angelegt, wie der Erste Landesbeamte, Hans-Jürgen Stede, sagte: "Niemand wartet gerne ohne zu wissen, wie lange noch." Damit die Technik funktioniert, muss jeder Bus mit einem GPS-Modul ausgestattet sein. Über Satelliten wird die jeweilige Position des Busses geortet und mit dem Fahrplan verglichen. Wenn er von seinem geplanten Standort mehr als eine Minute entfernt ist, also vom Soll abweicht, wird automatisch der Zentralrechner informiert, der mit diesen Daten die zu erwartende Verspätung berechnet. Der Fahrgast am Busbahnhof weiß in dem Moment, wo sich der Bus derzeit befindet, und wann die tatsächlich Abfahrtszeit sein wird. Im Laufe des kommenden Jahres soll dieses System auch auf die Ermstalbahn ausgeweitet werden, wie Dieter Unseld von der RAB berichtete. Immerhin, und darauf hat der Erste Landesbeamte hingewiesen, investierten der Landkreis und die an die Ermstalbahn angeschlossenen Kommunen seit Wiederinbetriebnahme dieser Linie im Jahr 1999 etwa 7,5 Millionen Euro in die Strecke. Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann hat angesichts des ständig zunehmenden Individualverkehrs betont, wie wichtig der weitere Ausbau von Bus und Bahn ist. Angesichts von 2500 Jungen und Mädchen, die täglich in Bad Urach eine Schule besuchen und zu einem großen Teil auswärtig sind, geht daran gar kein Weg vorbei. Öffentliche Verkehrsmittel müssen weiter gestärkt werden, so Rebmann, "jedes kleine Detail trägt dazu bei." Er hofft nur, künftig von sibirischen Ostwinden verschont zu bleiben: Bei weniger als 25 Grad Kälte schweigt das System.
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Autor: PETER KIEDAISCH | 15.10.2011